Mumien und alte DNA: Spuren vergangener Krankheiten lesen
Was verraten menschliche Körper aus dem Altertum über die Evolution von Gesundheit und Krankheit? Modernste Bildgebung und Analysen alter Erreger-DNA entschlüsseln verborgene Krankheitsspuren und zeigen das Potenzial biomedizinisch-archäologischer Zusammenarbeit.
Mumien im Röntgenscanner: Einblicke in die Vergangenheit
Mumien sind Körper aus vergangenen Jahrtausenden. Für die moderne biomedizinische Forschung sind sie deshalb besonders wertvoll, als Untersuchungsobjekte jedoch oft auch sehr fragil. Modernste medizinische Bildgebung ermöglicht einen Blick ins Innere der Mumien, ohne diese bedeutenden Zeitzeugen zu zerstören. Mithilfe von konventionellen Röntgenaufnahmen, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie lassen sich die Spuren von Krankheiten, Verletzungen, Altersveränderungen und der Mumifizierung schonend analysieren.
Wir zeigen, wie Forschende anhand solcher medizinischen Bilder in mumifizierte Körper hineinblicken, Befunde erkennen und daraus Rückschlüsse auf Leben, Krankheit, Tod und Bestattungspraktiken ziehen. So verbindet unsere Forschung Medizin, Archäologie und Anthropologie und lässt aus Spuren der Vergangenheit wissenschaftliche Erkenntnisse für die Gegenwart entstehen.
Nachweis alter Erreger-DNA
Antike und historische menschliche Körper enthalten oft winzige Spuren von Krankheitserregern: Fragmente alter DNA. Diese molekularen Spuren ermöglichen einen direkten Blick auf Infektionen vergangener Populationen und deren Evolution bis heute. Forschende können heutzutage beispielsweise die DNA des Lepra-Erregers Mycobacterium leprae in Proben nachweisen und untersuchen. So lässt sich besser verstehen, welche Rolle Infektionskrankheiten in früheren Gesellschaften spielten, wie sich Krankheitserreger verbreiteten und wie sie sich im Lauf der Zeit veränderten. Dies kann wichtige Erkenntnisse für heutige Pandemien liefern.
Wir erklären, warum alte DNA besonders empfindlich ist, weshalb Proben in speziellen Reinraumlaboren untersucht werden und wie molekulare Daten mit archäologischen, medizinischen und evolutionären Fragen verbunden werden. So liefern selbst kleinste DNA-Fragmente neue Erkenntnisse über die Geschichte von Infektionskrankheiten und das Zusammenspiel von Mensch und Erreger im Lauf der Zeit.